Als Seggerling-Newbie an der Eisernen 2011 in Konstanz

 

Fast zu spät..
Nach einer Stunde Fahrt durch Nieselregen und Verkehrschaos in Konstanz endlich verspätet im Hafen angekommen, sind die Segel meiner Deutschen Konkurrenten von weitem unverkennbar. Die sind dann auch schnell zur Hand und helfen mir beim Aufriggen meiner SUI-361.
 
Der Seggerling und das Brachial-Cunnigham:
Beim Einhängen der Cunninghamleine wird mir sogleich von den Klassenkollegen die erste Seggerling-Lektion erteilt: „Dampf ins Segel geben“ heisst beim Seggerling, das Cunningham dicht nehmen und das brachial. Dazu müsse es über die Öse am Segelhals und Rolle am Baum nochmals übersetzt werden, was natürlich bei mir (noch) nicht ist. Nur so wird der Mast zur „Peitsche“ und das Achterliek entlastet, ergo kann das Segel genügend twisten. Dieser Mangel wird mir an der Regatta noch schmerzlich bewusst werden.....
 
Schwitzen im November:
Wer hätte das gedacht: Es ist Ende November und auf dem Weg zu Start beginne ich zu schwitzen. Mal paddelnd, mal mit Segel pumpend versuchen wir in der absoluten Flaute den Startraum zu erreichen. Einige Yachten unter Motor erbarmen sich und nehmen uns beim Vorbeifahren in den Schlepp. Im Startraum weht dann endlich ein leichtes Lüftchen.
 
Ein Bretonischer Freund
Im Getümmel am Start wird mein Name in einem bekannten, französischen Akzent übers Wasser ausgerufen. Tatsächlich: Loïck – normalerweise zwischen Lorient und St. Malo auf 35 Fuss Schiff unterwegs kann es auch hier nicht lassen und ist als motorisierte Untertützung der Regattaorganisation unterwegs. (Und hier auch gleich der die Schleichwerbung: Bretagne-Atlantic-Yachting) Nach Smaltalk, Fotosession und Schlauchboot, das mich im Rückwärtsgang überfahren will, beschliesse ich mich wieder der Startvorbreitung zu widmen.
 
Start, Kreuz und Rückstand
Alles ziemlich chaotisch mit 200 Schiffen, aber nach dem 3. Schuss und der dezidierten Bewegung der Laser und Europs über die Startlinie entschliesse auch ich mich zu bewegen. Die anderen Seggerlinge tun es gleich und erteilen mir gleich weitere Lektionen: Erstens: Mit viel mehr Twist in den Tüchern fahren die bei gleichem Speed mind. 15° höher. Zweitens: Die Klassenkollegen segeln Lichtjahre besser: Die Rollwenden, die Wolfram hinlegt sind dermassen effizient, dass er mich bei jedem Wendemanöver um mindestens 10m (Höhe!) distanziert. Bei mir geht das so: Ruder legen; unnötig überwenden; am Segel herumschlagen bis alle Segellatten umgeklappt sind; stillstehen; Kurs suchen....
 
Ungeduld, Dickschiffe und Stillstand
Die wachsende Ungeduld vor der Luftonne macht mich vollends zum Idioten. Anstatt wie eigentlich geplant aussen zu halten versuche ich es mit kurzen Schlägen direkt zur Luftonne, und gerate in den "Leekessel" einer ganzen Armada von Dickschiffen (Warum diese lahmen Enten immer vor uns starten müssen...?). Absoluter Sillstand und breites Grinsen der Herren vom hohen Freibord. Kurz vor der Tonne treibe ich sogar rückwärts. Nach nicht ganz regelkonformer Pumpaktion um die Tonne hoffe ich im Raumkurs, dass die planende Vernunft wieder Oberhand gewinne....
 
Kampf um den Zweitletzten.
Einmal weg von den Dickschiffen geht es auf dem ersten Raumschenkel gut voran. Schon bald sieht es aus, als würde ich nicht mehr den letzten Platz in der Klasse belegen. Der kleine Vorsprung auf den direkte Gegner lässt hoffen, aber ein Mix aus eigener Schludrigkeit und ein Windstrich beim andern und nicht bei mir, lässt mich kurz vor der Leetonne wieder zurückfallen. Auf der Zielkreuz dann wieder das Elend mit meiner „Oberen Achterliek Bremse“.
 
Showlauf und Segelschule
Sympatisch: Im Ziel warten alle Seggerlings auf die Ankunft des Letzten (der bin ich..), und sofort geht es gemeinsam in Richtung der Autofähre mit den Zuschauern. Der Wind hat abgeflaut und kräftig pumpend gelingt es uns gerade noch dem Zuschauferschiff den Weg abzuschneiden und es zur Vollbremsung zu zwingen. Dieser publikumswirksame Showlauf der Seggerlings am Bodensee ist Programm, ganz nach dem Moto: Je kleiner, je aufdringlicher! Auf der Rückfahrt kommt Wolfram längsseits: „He, gib mal Dampf in dein Segel“. Auf dem Wellenbrecher kniend ziehe ich nochmals mit maximalem Einsatz quer am Cunningham-Strecker. Tatsächlich jetzt „twistets“ auch bei mir und mit Wolframs anschliessenden Kommandos „Anlufen!, „Abfallen!, He He nicht so viel!“ beginnt auch mein Seggerling am Wind zu laufen.
 
Pluspunkt: Jetzt weis ich, dass mein Seggerling Eigenbau im Prinzip konkurrenzfähig wäre, wenn ich besser segeln könnte. Am Abend kommt dann auch gleich die Ankündigung zu diversen Seggerling-Trainingswochen (Gardasee, Müriz) an denen man mit Vorteil teilnehmen sollte. So geht das!
 

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