Gedanken zum Saisonstart 2020

von Alli Bartels

Saisonstart 2020 mit Einschränkungen

Unser Nachbar hat eine Fahnenstange im Garten. Ein Blick auf die flatternde Fahne und ich weiss sofort, ob es sich lohnt, zum Segeln an den Pfäffikersee zu fahren. In der Vergangenheit hat das immer prima funktioniert. Bis COVID-19 auf drastische Weise die Bedeutung meiner Windanzeige eingeschränkt hat.

Die Fahne flattert, der Wind ist da, aber das Segeln auf dem Pfäffikersee ist für uns SCaP Segler schwierig geworden. Der vierte April, das gesetzte Datum für den gemeinsamen Aufbau des SCaP Bootssteges, ist buchstäblich ins Wasser gefallen. Das Infektionsrisiko war bei diesem Vereinsanlass zu gross.

Also fehlt nun, trotz bestem Segelwetter, der Bootssteg.
Und damit sitzen 2/3 der Bootsplatzinhaber (ich eingeschlossen) buchstäblich auf dem Trockenen. Hier sieht es allerdings nicht viel besser aus, denn die Trockenplätze sind zu einem grossen Teil durch die gelagerten Stegelemente blockiert. Auch der Zugang zu unserem SCaP Clubraum und Materiallager ist versperrt, denn das Strandbad Auslikon wurde schon vor geraumer Zeit als potentieller «Infektions-Hotspot» abgeriegelt.

Es sieht also schlecht aus für einen geregelten Segelbetrieb 2020, auch wenn wir Segler dank einer Sonderbewilligung der Gemeinde Wetzikon immer noch Zugang zum gesperrten Parkplatz Auslikon und damit zur Bootsrampe haben. Was nutzt also die beste Windanzeige?

Abwarten meinen die Einen. Es ist jetzt wichtig, zuhause zu bleiben. Ab dem 19. April wird der Virus kein Problem mehr sein und der Bundesrat kann dann alle ausgesprochenen Einschränkungen wieder aufheben. 
Aber ist das realistisch? So wie es momentan aussieht, wird uns COVID-19 noch eine ganze Weile beschäftigen. Nicht nur Wochen, sondern Monate. 

Es geht also nicht darum abzuwarten, sondern mit dem Virus zu leben. Es gilt Ansätze und Alternativen zu entwickeln, um den Vereinsbetrieb auch ohne zusätzliche Risiken aufrecht zu halten. Vielleicht nicht sofort, aber in absehbarer Zeit. Nicht nur der SCaP Vorstand, sondern alle Mitglieder unseres Vereins sind aktuell gefordert, hierzu Ideen zu entwickeln. Was machen wir in der Saison 2020?

Hier ein paar Beispiele:

  • Wir könnten, aus Solidarität zu anderen, eingeschränkten Sportarten, tatsächlich komplett auf das Segeln verzichten.
  • Wir könnten den Segelbetrieb virtualisieren. Theorie und Knotenkunde via Skype oder Zoom. Statt Regatta auf dem Pfäffikersee nutzen wir den Multi-Player Modus in einem Segel-Simulator.
  • Wir könnten den Bootssteg mit technischer Hilfe (Kran) und nur wenigen, jungen Freiwilligen aufbauen.
  • Wir könnten die wenigen Trockenplätze nach einem Rotationsverfahren auf alle Mitglieder verteilen oder wir könnten verfügbare Plätze ausschliesslich für Vereinsboote nutzen, die jeder (alleine) nutzen kann.
  • Wir könnten für Kielboote an Stelle des Steges ein kleines Bojenfeld anlegen.
  • Wir könnten bei der Gemeinde nach temporären Ersatzplätzen auf dem Land fragen, denn Parkplätze gibt es ja momentan genug

Es gibt sicher viele weitere Ideen. Und das stimmt mich sehr positiv. Die Segelsaison 2020 wird wohl nicht ins Wasser fallen. Lasst uns anfangen zu überlegen, damit der Blick auf Nachbars Fahne weiterhin Sinn macht.

 

Bis bald einmal am See,

Alli

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