Kommt, lasst uns ein Schiff bauen ...

von Alli Bartels

So oder so ähnlich muss es geklungen haben, als an der Kantonsschule Bülach im Ausbildungsprogramm «Projektorientiertes Lernen» nach Ideen gesucht wurde. Und 14 Schüler begannen mit Ihren Lehrern eine abenteuerliche Reise, um eine grosse Idee zu verwirklichen.

Es sollten zwei vier Meter lange Katamarane mit einer Segelfläche von je 8 m2 gebaut werden. Grundlage bildeten die Entwürfe von Franz Fischli, einem erfahrenen Hobby Konstrukteur, der das gesamte Projekt als Coach und Motivator begleitete. Die Projektzeit war äusserst knapp. Nur vier Monate Bauzeit waren angesetzt, um Material zu beschaffen, Pläne zu zeichnen, Auftriebskörper aus Leichtbauplatten zusammenzuschweissen und aus Aluminiumstangen ein leistungsfähigen Rigg zusammenzusetzen. Auch die Segel wurden von den Schülern auf einer alten Bernina Nähmaschine zusammengenäht. Und als die Boote dann nach langen Wochen endlich fertig waren, kam die nächste Hürde. Was auf einem Schweizer See schwimmt, braucht eine Typenprüfung und eine offizielle Abnahme. Erst dann darf gesegelt werden.

So verwundert es nicht, dass es bis in den September 2019 dauerte, bis das offizielle Projektende mit einem grossen Fest gefeiert werden konnte. Und natürlich sollte gesegelt werden. Die Wahl für das Segelrevier fiel auf den Pfäffikersee mit seiner einzigartigen Naturlandschaft.

Und hier kommt nun endlich auch der Segelclub am Pfäffikersee SCaP ins Spiel. Er fungierte zusammen mit dem Team vom Strandbad Auslikon als Gastgeber und koordinierte den gesamten Anlass. Alles klappte hervorragend. Die Boote wurden an den See transportiert, Materiallager wurden angelegt, Tische und Bänke auf die Wiese des Campingplatzes geschleppt und zahlreiche Gäste (recht spärlich auch vom SCaP) umlagerten schon frühzeitig den Grill. Alles war perfekt. Nur das Wichtigste fehlte an diesem sonnigen Herbstsonntag. Der Wind. Statt der versprochenen 1-3 Windstärken waren es 0-0.5 Beaufort. Auf gut Deutsch: «absolute Flaute».

Trotzdem liessen sich die Schüler nicht entmutigen. Die Boote wurden aufgebaut, in einer Festrede von Schülern, Lehrern und Konstrukteuren gewürdigt, und dann ging es hinaus auf den Pfäffikersee.
Mangels Wind musste am Anfang noch mit einem Paddel nachgeholfen werden, um den Schutzabstand zum Schilf zu überbrücken und hinaus auf den See zu gelangen. Begleitet von den Segelbooten des SCaP war es dann aber ein wunderschönes, wenn auch nicht sehr adrenalinförderndes Segel-Erlebnis. Zum Glück gab es noch eine weiteren Überraschung. Das antike Holz-Motorboot «Hecht» kam in die Ausliker Bucht und lud alle Teilnehmer und Festgäste zu einer Rundfahrt, und (endlich) etwas Fahrtwind im Gesicht, ein.

Fazit bei den Teilnehmern: Es war ein gelungenes Fest. Der Pfäffikersee ist, trotz zahlreicher Beschränkungen zum Schutz von Flora und Fauna, ein wunderschönes Freizeit- und Erholungsgebiet. Aber um das Segelfest wirklich perfekt zu machen, müssen Schüler und Lehrer der Kantonsschule Bülach unbedingt nochmals wiederkommen. Die Boote des SCaP stehen bereit. Herzlich willkommen.

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